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Großeltern: Wie das Miteinander der Generationen klappt

Bild: JAKO-O

Für Eltern ist es in der Regel schön, wenn ihre Kinder Oma und Opa haben. Sie entlasten im Alltag und eine große Familie schenkt Sicherheit und Geborgenheit. Nicht selten kommt es aber auch zu Reibungen zwischen den Generationen – gerade weil sie einander wichtig sind.


Ein vertrautes Verhältnis fällt nicht vom Himmel, das müsse man sich erarbeiten, meint die Psychologin Helga Gürtler. Sie rät, die Stolpersteine zu erkennen und etwas dagegen zu tun.


Oft gebe es Missverständnisse darüber, was die einen von den anderen erwarten. Darüber sollte geredet werden.


„Bei den jungen Eltern ist der Grund vieler Gereiztheiten, dass sie sich nicht ernst genommen fühlen. Großeltern müssen begreifen, dass ihre Kinder keine Kinder mehr sind“, so Helga Gürtler.


Im Interview gibt sie Ratschläge zu häufigen Konflikten zwischen den Generationen:

Meine Eltern wollen miterziehen – wie ziehe ich Grenzen?

Helga Gürtler: Großeltern erziehen meistens mit. Denn jeder, der mit Kindern zu tun hat, erzieht sie automatisch. Eltern sollten sich dabei fragen: „Womit kann ich leben?“ Ist es für sie zum Beispiel unerträglich, wenn ihr Kind bei Oma und Opa ohne Zähneputzen ins Bett darf, dürfen sie den Konflikt nicht scheuen und müssen den Großeltern erklären, warum es ihnen so wichtig ist. Gleichzeitig sollten sie schauen, wo sie ein Auge zudrücken können. Denn es ist normal, dass Großeltern Dinge anders machen. Und das ist auch gut so. Es wäre ja langweilig, wenn sie bloß das Sprachrohr der Eltern wären. Kinder sind hervorragend in der Lage zu differenzieren. Sie wissen: „Das läuft bei Oma und Opa so, und dies ist bei uns zu Hause anders.“

Ich mag meine Schwiegereltern nicht. Muss ich ihnen meine Kinder geben?

Helga Gürtler: Wichtig ist hier vor allem: Was wollen die Kinder? Wenn Kinder ihre Großeltern mögen und sie gern besuchen, dann sollten Eltern versuchen, sich hier zurükkzunehmen. Denn Kinder brauchen Großeltern. Sie stellen eine weitere Station dar, wo die Kinder sich auch zu Hause fühlen dürfen. Kinder dürfen dort manchmal viel mehr, denn Großeltern können großzügiger sein, weil sie nicht den Lebensalltag mit den Kindern bestreiten müssen. Meist haben   Oma und Opa mehr Zeit zum Vorlesen, Basteln oder Backen. Zudem ist es für Kinder einfach schön, wenn sie dort mehr oder andere Dinge dürfen. Eltern sollten dies nicht missgünstig betrachten, sondern sich für ihre Kinder freuen. Eltern sollten sich um der Kinder willen bemühen, Probleme oder Streitigkeiten mit den Schwiegereltern neutral darzustellen.

Mein Kind mag Oma und Opa nicht. Was nun?

Helga Gürtler: Häufig ist es so, dass Großeltern aus Verwandtschaftsgründen erwarten, dass ihr Enkelkind sie mag. Indes müssen sich Großeltern die Zuneigung erst verdienen und dürfen sie nicht einfach voraussetzen. Auch kann ein bestimmtes Verhalten der Großeltern der Grund für den Unmut des Kindes sein. Eltern müssen genau hinhören, wenn ihr Kind erzählt: „Bei Oma und Opa muss ich immer den Teller leer essen, obwohl ich ganz satt bin!“ Oder: „Die sind immer sauer, wenn ich unterwegs mal muss, weil ich doch vorher hätte gehen können – da musste ich aber noch nicht!“ Hier gilt es mit den Großeltern darüber zu sprechen und zu schauen, ob der Konflikt lösbar ist. Großeltern hingegen müssen es akzeptieren, wenn ihre Enkel sich zurückziehen und zunächst Distanz halten.

Bild: JAKO-O

Es herrscht Neid und Eifersucht zwischen den Großelternpaaren. Wie verhalte ich mich am besten?

Helga Gürtler: Ein großes Problem, denn oft fährt die Mutter häufiger mit den Kindern zu den eigenen Eltern, wenn sie in Elternzeit ist und der Mann berufstätig. Wahrscheinlich hat sie zu den eigenen Eltern auch ein  vertrauteres Verhältnis. Eltern sollten dennoch versuchen, für Gleichgewicht zu sorgen oder die Situation zu erklären. Ansonsten müssen sie den Groll ertragen. Ein möglicher Trost für das benachteiligte Großelternpaar: Oft kristallisieren sich später bestimmte Eigenschaften der einzelnen Omas oder Opas heraus, auf die das Enkelkind dann selbständig zurückgreift, weil es besonderes Interesse an den Dingen hat, die diese Oma oder dieser Opa kann.

Wir wollen Weihnachten alleine feiern. Wie sage ich es Oma und Opa?

Helga Gürtler: Weihnachten hat doch mehrere Feiertage! Kann man da nicht Alleinbleiben und Zusammensein so verteilen, dass alle zufrieden sind? Wenn Eltern partout das ganze Fest über allein sein möchten, dann sollten sie das den Großeltern möglichst einfühlsam erklären. Die könnten natürlich enttäuscht sein – damit müssen dann alle leben. Es ergibt keinen Sinn, wenn die Familie grummelnd zusammenkommt, obwohl ein paar lieber allein wären. Vielleicht können Eltern als tröstende Alternative ein gemeinsames Fest zu anderer Zeit vorschlagen, zum Beispiel ein Sommerfest.

CD: Letzte Liebe: Großeltern und ihre Enkelkinder

Bild: JAKO-O

Prof. Dr. Fulbert Steffensky (geb. 1933) studierte katholische und evangelische Theologie und lebte 13 Jahre lang als Benediktinermönch in der Abtei Maria Laach. 1969 konvertierte er zum lutherischen Glauben und heiratete die evangelische Theologin Dorothea Sölle. Er war lange als Lehrer und in der Seelsorge tätig. Nach seiner Promotion in Erziehungswissenschaften war er Professor für Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt religiöse Erziehung in posttraditionalen Gesellschaften an der Universität Hamburg. Er zählt zu den großen, spirituell inspirierenden Autoren der Gegenwart und ist ein gefragter Referent bei Kongressen und Kirchentagen.

 

 

 

Warum sind Großeltern im Leben unserer Kinder unverzichtbar? Und welche besondere Kraft geht von dieser Beziehung aus? Das beantwortet der Theologe und Erziehungswissenschaftler Fulbert Steffensky in seinem inspirierenden Vortrag.

Neben allgemeinen Überlegungen und Assoziationen zum Thema „Großeltern- Sein“ erzählt er von seinen persönlichen Erlebnissen als Großvater: „Enkelkinder machen ihre Großeltern jünger, alberner, verliebter.“ Sie sind einander Lehrer und Lernende. Mit ihrer manchmal ganz eigenen Meinung bieten Großeltern wichtige Widerstände, an denen die Enkel sich reiben und sich selbst entdecken. Schließlich erfahren sie aber auch von der  Gebrechlichkeit und Endlichkeit des Lebens. Für Kinder wird dadurch das Leben manchmal sogar überschaubarer: Das Leben hat einen Anfang und ein Ende.

Durch die steigende Lebenserwartung sind wir fast ein Drittel unseres Lebens Großeltern, stellt Steffensky fest. Das ermöglicht mehr bewusste Zeit, sich der „letzten großen Liebe“ zu widmen. In Zeiten materiellen Überflusses können gerade Großeltern die eigentlich kostbaren Dinge des Lebens schenken: Aufmerksamkeit, „Einfach-nur-da-sein“, Zuwendung und bedingungslose Liebe. Der zweite Teil des Vortrags widmet sich der religiösen und spirituellen Erziehung, die sich dem Kind vor allem in Riten und äußeren Ritualen erschließt. Steffenskys Vortrag ermutigt Großeltern (und die, die es werden wollen), den Enkeln mehr vom eigenen Leben mitzugeben und ruhig mal ab und zu einen Ausflug in die Welt der „Jüngsten“ zu unternehmen.

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