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Besser lernen? Getrennter Unterricht für Mädchen und Jungen

Jungen gelten zurzeit als Bildungsverlierer. Sie bleiben deutlich häufiger sitzen als Mädchen und brechen die Schule eher ab. An den Hauptschulen bilden sie mit 56 Prozent die Mehrheit und an den Gymnasien lassen sie sich beim Abitur von den Mädchen abhängen. Ein Konzept, um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen, heißt Bi-Edukation: Jungen und Mädchen besuchen eine gemeinsame Schule, werden aber getrennt unterrichtet – so wie im Clara- Fey-Gymnasium in Bonn – Bad Godesberg.

Die Mädchen arbeiten still und konzentriert. Sie senken die Köpfe über das Arbeitsblatt „Geometrische Körper und ihre Eigenschaften“, während Mathematiklehrer Georg Metzen eine Tabelle an die Tafel zeichnet. Es ist so ruhig, dass selbst im hinteren Teil des Klassenzimmers der 5a jeder Kreidestrich zu hören ist. Ein Stockwerk tiefer haben die Jungen der 5c ihren Klassenraum. Sie sitzen in einer Deutschstunde über dem Arbeitsblatt „Typische Merkmale von Märchen“ am Beispiel von „Jorinde und Joringel“ der Gebrüder Grimm. Auch sie arbeiten konzentriert, doch der Geräuschpegel ist deutlich höher. Hier scharrt einer mit den Füßen, dort spielt einer nachdenklich mit einer Taschentuchpackung. „Jungen sind körperlicher“, sagt Christoph Dahmen, Lehrer am Erzbischöflichen Clara-Fey-Gymnasium in Bonn – Bad Godesberg. Schulleiterin Birgit Heinen ergänzt: „Sie haben ein ganz anderes Bewegungsbedürfnis als Mädchen. Sie müssen sich bewegen.“ Seit zwei Jahren kommt das Clara-Fey-Gymnasium den unterschiedlichen Bedürfnissen von Jungen und Mädchen mit der Bi-Edukation nach. Früher war es eine reine Mädchenschule, jetzt werden die Geschlechter vom fünften bis zum neunten Schuljahr getrennt unterrichtet. Erst in der Oberstufe kommt die Ko-Edukation. „Dabei gehört es zu unserem Konzept, dass das soziale Lernen von Anfang an gemeinsam stattfindet“, sagt Birgit Heinen. „Die Pausen, Arbeitsgemeinschaften wie Tanz-AG und Chor sowie die Feste erleben und gestalten die Schülerinnen und Schüler zusammen.“ Der Gedanke hinter der Bi-Edukation: Das feste Rollenverhalten von Jungen und Mädchen soll aufgeweitet werden, um die Kinder geschlechtergerecht zu unterrichten. So hätten sie während der Pubertät mehr Möglichkeiten sich zu entwickeln. „In einer reinen Jungenklasse darf ein Junge auch weinen und empfindsam sein. Er kann zeichnen und Querflöte spielen, denn es ist ja kein Mädchen da, das diese Rolle besetzt“, sagt Birgit Heinen. Umgekehrt gelte das Gleiche für die Mädchen.

„Jungen brauchen Körperpräsenz“

In der 5c melden sich die Jungen und tragen die typischen Märchenmerkmale zusammen. Klassenlehrerin Britta Reimer-Lehmann geht auf und ab. Manchmal mahnt sie einen Schüler mit direktem Blickkontakt und dem Zeigefinger auf den Lippen zur Ruhe. „In Jungenklassen bin ich im Raum sehr aktiv“, sagt sie. „Ich suche die Nähe, um zu unterrichten und um zu disziplinieren. Körperpräsenz wirkt.“ Als Jan-Wellem von Joringels Kampf mit der Hexe erzählt, zücken gleich mehrere Jungen imaginäre Laserschwerter und brechen in Kampfgeheul aus. „So etwas muss ich in meinen Unterricht einplanen“, sagt Reimer-Lehmann. Auch bei der Auswahl des Unterrichtsstoffes achte sie auf die Bedürfnisse der Jungen. „Ich habe Jorinde und Joringel ausgesucht, weil hier ein junger Mann die starke Rolle hat und seine Geliebte befreit. Beim Froschkönig ist das nicht so.“ Außerdem müsse sie in einer reinen Jungenklasse viel stärker durchgreifen als in einer Mädchenklasse. „Jungen brauchen klare Grenzen, sie wollen wissen, wer der Boss ist. Verbote akzeptieren sie.“ „Mädchen dagegen denken eher in Gruppen“, erläutert Schulleiterin Birgit Heinen: „Wenn sie das Gefühl haben, dass der Lehrer sie mag, arbeiten sie mit. Auch sie akzeptieren Verbote, diskutieren allerdings gern darüber.“ Die Lehrer am Clara-Fey-Gymnasium machen sich diese Unterschiedlichkeit der Geschlechter im Unterricht zunutze. „Jungen suchen den Wettbewerb“, sagt Biologielehrer Christoph Dahmen. „Sie wollen der Beste sein. Mit einer Aufgabe nach dem Prinzip ‚Wer hat die meisten?’ kann man sie anspornen.“ Gleichzeitig würden einige sich am männlichen Vorbild des Lehrers messen. „Ob es um Körpergröße, Kraft oder Wissen geht. Sie spielen gern den starken Mann.“

Der Suche nach männlichen Vorbildern ist Birgit Heinen entgegengekommen, indem sie in den Jungenklassen mehr Männer als Frauen eingesetzt hat. Ein weiterer Unterschied: Jungen seien sachorientierter. So hat die 5c ihre Klassenregeln, die hinten im Raum an der Wand hängen, glasklar formuliert: „Ich darf in den Pausen Karten spielen“ und „Ich frage von meinem Platz aus“, heißt es dort auf Blättern, die am Computer geschrieben und ausgedruckt wurden. Auch die Mädchen der 5a haben Klassenregeln, bei denen es hingegen deutlich emotionaler zugeht: „Damit sich alle wohlfühlen können, wollen wir jede akzeptieren, so wie sie ist“, steht dort handschriftlich. Alle Schülerinnen haben unterzeichnet.

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