In diesem Artikel möchte ich Ihnen eine Pflanze näherbringen, die es wegen ihrer vielfältigen Nutzbarkeit verdient hat, gewürdigt zu werden. Um gleich für Klarheit zu sorgen: Es geht um Nutzhanf! (Cannabis sativa). Dieser unterscheidet sich inhaltlich stark vom Indischen Hanf (Cannabis indica), in dem sich die Rauschdroge THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) befindet. Rein äußerlich zeigen die beiden Arten allerdings keine Unterschiede, was dem Nutzhanf leider zum Verhängnis wurde.
Hanf ist die älteste Kulturpflanze überhaupt. Bereits 10.000 v. Chr. finden sich erste Spuren in Asien. Vor ca. 2500 Jahren wurde erstmals in China Papier aus Hanf hergestellt, 1400 Jahre später kam es nach Europa. Gutenberg druckte 1455 die erste Bibel auf Hanfpapier. Zum Glück, denn in diesem Buch kann heute noch geblättert werden. Im Gegensatz zur „neuen“ Literatur, die seit etwa 1850 auf Holzpapier gedruckt wird und nun zerfällt. Von etwa 1530 bis weit zu Anfang des 20. Jahrhunderts wurde weltweit Nutzhanf angebaut. Schiffe bestanden in dieser Zeit aus Holz und Hanf. Egal ob Taue, Seile, Segel, Uniformen – nichts hielt dem Wasser besser stand als Hanf. Die Ur- Jeans, die Levi Strauss 1870 nähte, bestand aus Hanf. Nicht nur in der Reißfestigkeit, auch in der Nassfestigkeit ist Hanf „die“ Naturfaser. Etwa 1930 entwickelt Henry Ford das Hemp Car (Hanfauto) – „Das Auto, das auf dem Acker wächst“. Es hatte eine naturfaserverstärkte Kunststoffkarosserie aus Hanffasern und wurde mit Methanol betrieben, das ebenfalls aus Nutzhanf gewonnen wurde. Die Karosserie aus Hanf war stärker als Stahl. Die Hoffnung, seine Firma aus dem Einflussbereich der Erdölindustrie herauszuführen, schmolz dahin, als Cannabis verboten wurde. Sowohl die Werbung als auch die Weiterentwicklung dieses Automobils wurden bereits Ende 1941 wieder eingestellt. Bis zu Beginn 1940 wurde Hanf großflächig in den USA und Europa angebaut. Die Pflanze wurde für die Gewinnung von Rohöl, zur Herstellung von Faserstoffen und Papier verwendet und auch in der Pharmaindustrie verarbeitet. Etwa zur gleichen Zeit stellte Du Pont ein Verfahren zur synthetischen Herstellung von Öl und Fasern vor. Billige Baumwolle und günstige Baumwoll-Verarbeitungstechniken überschwemmten den Markt. In den USA wurde die Pflanze Hemp unter dem Namen Marihuana in Verruf gebracht. Hanfanbau wurde verboten. Der Krieg änderte noch einmal die Situation. Die Einfuhr von Baumwolle aus Asien ging stark zurück. Man besann sich auf die Vorzüge der alten heimischen Nutzpflanze Hanf, um robuste Kleidung, Textilien für Zelte, Seile usw. für den militärischen Bedarf herzustellen. Auch in Europa führte der Krieg dazu, dass überall wieder Hanfanbau propagiert wurde. Nach dem Krieg wurde die Kultivierung wieder rigoros verboten.